Die Antwort war einfach: „Nö!“ 
Thomas Schaaf und Daniel Cottäus im Kulturzentrum Martinskirche in Hoya

Als Deichstube-Reporter Als Daniel Cottäus sich im Frühjahr 1992 ein Herz fasst und Thomas Schaaf mit der Frage anruft, ob er sich eine Biografie über sich vorstellen könne, ist die Antwort erstmal eine deutliche Absage. Aber Cottäus bleibt hartnäckig und so erscheint 37 Stunden Aufnahmematerial, viele Interviews mit Weggefährten, stundenlange intensive Archivrecherche und unzählige Berliner am Esstisch der Familie Schaaf später dann doch das Buch mit dem schlichten Titel Thomas Schaaf: Die Biografie.
Was beide nicht erwarten, ist die übermäßige Resonanz auf das Werk. Und so sitzen sie in Hoya bereits in ihrer 28. Lesung; ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Vor ausverkauftem Haus lesen und plaudern sich der passionierte Werderaner Schaaf und sein Biograf Cottäus am Mittwochabend durch die berufliche Karriere als Spieler und Trainer, der es heute als seine Aufgabe sieht, die Traditionen des Vereins zu wahren. Sie sprechen aber auch über private Meilensteine und den Spagat zwischen beruflichen und familiären Verpflichtungen. Klar ist, dass „in so ein Buch nicht nur die schönen Ereignisse gehören“. Auch Dinge, die „nicht so klappen, wo´s mal knirscht oder auch mal im Karton rappelt“ müssen mit hinein. „Man muss Türen öffnen. Denn es macht keinen Sinn, nur Geschichten zu erzählen, die sowieso schon jeder kennt“, sagt Schaaf.

Während im Hintergrund Familien- und Fußballfotos, Zeitungsausschnitte, Tabellen und auch mal ein Interview zu sehen und hören sind, liest Cottäus Passagen aus dem Buch. Schaaf beantwortet Fragen daraus und ergänzt die geschilderten Situationen in seiner eigenen trocken humorigen Art. Dem Vorurteil, er gehe doch zum Lachen in den Keller entgegnet er: „Das kann nicht sein, ich habe gar keinen Keller.“ Am liebsten lacht er über Situationskomik, sagt er. Und den Hang zur Schadenfreude, wenn er solche Situationen kommen sieht, kann er auch nicht abstreiten. Aber er kann auch über sich selbst lachen. Das macht ihn noch sympathischer.

Eine drängende Frage soll unbedingt beantwortet werden: Was verdient Thomas Schaaf an seinem Buch? Die Antwort ist wieder klar und einfach: Nix! Denn Thomas Schaaf ist seit 2004 Botschafter von Trauerland e.V. in Bremen. Hier werden Kinder und Jugendliche ab dem Kleinkindalter nach Verlust eines lieben Menschen kostenlos ehrenamtlich wie auch professionell psychologisch betreut. Und hierhin fließen die Einnahmen, die Thomas Schaaf aus seinem Buch generiert. Wir ziehen den Hut!

Thomas Schaaf und Daniel Cottäus verstehen sich gut, sind ein eingespieltes Team. Um beim Sport zu bleiben: Sie werfen sich die Bälle zu und bringen die Zuhörer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken. Dass sie selbst Spaß an der Lesung haben und offenbar jede Lesung wieder zu einem neuen Ereignis gestalten, ist deutlich zu spüren. Und so vergehen die zweieinhalb Stunden Lesezeit so kurzweilig, dass viele Gäste gern noch ein bisschen länger bleiben und die Gelegenheit für ein Autogramm und ein paar kurze Worte nutzen, denn: „Kommt nachher vorbei; wir nehmen uns die Zeit.“

Der Kulturkreis freut sich über diesen gelungenen Abend und ist froh, dass Thomas Schaaf sein als Bedingung vereinbartes Recht, das Projekt jederzeit abbrechen zu dürfen, nie genutzt hat. „Hätte man mir vorher gesagt, dass es so viele Lesungen geben würde, hätte es das Buch nicht gegeben.“ Aber da war es zum Glück schon zu spät …